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Bereits nach der ersten VR Erfahrung sollte jedem Menschen klar werden: Es handelt sich um ein sehr mächtiges Medium. Nicht ohne Grund können mit der Oculus Rift, der HTC Vive und anderen VR-Brillen Ängste, PTSD und sogar Schmerzen therapiert werden. Um zu verstehen, was Virtual Reality für die LGBTQ Bewegung (Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender, Queer) bedeuten kann, muss man sich zuerst fragen: Was für eine Rolle hat denn das Internet gespielt?

Warum Virtual Reality der LGBTQ Bewegung helfen kann

Das Internet ist für uns schon lange kein Neuland mehr. Abseits des Verlangens nach Katzen-Videos und Memes gibt es sehr nützliche Effekte für die Gesellschaft. So hilft die anonyme Kommunikation zwischen Milliarden von Menschen den Randgruppen einander zu finden. Eine der zahlreichen wissenschaftlichen Studien, die sich mit den Möglichkeiten für die Kommunikation unter Menschen beschäftigt, liefert das Ergebnis bereits im Titel: You Can Form a Part of Yourself Online: The Influence of New Media on Identity Development and Coming Out for LGBTQ Youth. Sich selbst online finden, ist also durchaus realistisch.

Das Versprechen des Internets war lange Zeit die Möglichkeit, sich so zu geben, wie man sich fühlt. Über Dinge zu sprechen, für die man sich sonst schämt. Gleichgesinnte zu finden, um sich gemeinsam Halt und Verständnis zu geben. Wenn man bedenkt, dass noch immer in vielen Ländern den LGBTQ die Todesstrafe droht, ist das Chatten im Netz eine gute Alternative zu einem oft tödlich endenden “coming out”.

Sicherlich ist z.B. Homosexualität in der westlichen Gesellschaft auf dem besten Wege dahin, endlich als “normal” empfunden zu werden. Die gleichgeschlechtliche Ehe ist ein weiterer Meilenstein auf dem Weg. Es gibt aber einige Minderheiten, z.B. die der Transgender, welche noch immer als unnatürlich wahrgenommen werden. Wie kann VR helfen, solche Vorurteile abzubauen? Nun…

Das World Wide Web war und ist nicht persönlich genug. Weswegen übrigens der Hype um das Thema VR auch nicht abflachen wird. Durch Virtual Reality kann die Anonymität und die Intimität wesentlich stärker erlebbar gemacht werden, denn der Nutzer fühlt, dass er tatsächlich an einem anderen Ort mit anderen Menschen ist.

Der Blogartikel von Laura Kate Dale zeigt dies sehr deutlich. Laura, die selbst eine Transwoman ist, beschreibt, wie verschiedene VR-Erlebnisse sowohl positive als auch negative Gefühle hervorriefen. So schreibt sie, dass ihre Eltern und ihre Umwelt sie zunächst nicht akzeptieren wollten. Pixel Ripped gab Dale jedoch die Möglichkeit, sich vorzustellen, wie es sich anfühlen könnte, ein Schulmädchen zu sein. In Frauenkleidung im Unterricht zu sitzen und den Wind zu spüren. Ein Gefühl, nachdem sie sich sehr gesehnt hatte in ihre Kindheit. Gleichzeitig verspüre sie bei der “Girl Body”-Experience eine Art Phantomschmerz. Sie sah im virtuellen Spiegel eine Frau an und ihr wurde klar, dass sie so noch nicht aussehe und dass für sie der Weg dorthin noch sehr lang sein würde.

Nun sind wir am Anfang der Entstehung des wahren Cyberspaces. Deshalb sollten wir darauf achten, dass wir die virtuelle Welt für alle Menschen zugänglich machen. Es fängt bereits bei der Avatarauswahl, dem virtuellen Geschlecht und auch der virtuellen Sexualität an. Welche Geschlechter und sexuelle Ausrichtungen sollte ein Spiel oder ein Erlebnis erlauben? Dabei sollte man sich stets fragen: Wie wird sich ein Mensch aus der LGBTQ Community fühlen? Das Ergebnis hängt von uns allen ab, doch speziell natürlich auch von den Entwicklern, die eine breite Palette an Auswahlmöglichkeiten bieten sollten.

Doch die Anonymität in VR zeigt auch bereits heute sein hässliches Gesicht. Immer wieder wird von sexuellen Übergriffen berichtet und es bleibt zu hoffen, dass VR uns wirklich verbindet und nicht eine neue Plattform zum Verbreiten von Hass und Vorurteilen wird. Zumindest bietet VR die Möglichkeiten, Vorurteile abzubauen, da jeder Spieler sein biologisches Geschlecht und seine Erscheinung jederzeit ändern kann. Bleibt abzuwarten, wie die Menschheit die Technologie nutzen will.

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