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Jetzt wird es ernst. The Verge berichtet, dass ZeniMax Media und id Software nun Oculus VR und dessen Gründer, Palmer Luckey offiziell verklagt haben. Bereits vor einigen Wochen – Bloculus berichtete – hat sich abgezeichnet, dass der Hersteller seine Anwälte beauftragt hatte sich mit der Materie auseinanderzusetzen.

Das Mutterunternehmen von Bethesda und der dazugehörende ehemalige Arbeitgeber von John Carmack werfen den VR Spezialisten die Veruntreuung von Geschäftsgeheimnissen vor. Als John Carmack bei id Software arbeitete, hatte er Zugang zu geistigem Eigentum, das man in jahrelanger Forschungs- und Enticklungsarbeit mit ständigen Investitionen (im zweistelligen Millionenbereich) aufbaute. Darunter sei per Copyright geschützer Code, Geschäftsgeheimnisse und allgemeines technisches Know-How gewesen sein. Das ist auch der Grund für die Schweigeverplichtung, die Herr Carmack abgeben musste.

Kurz gesagt wirft man Oculus VR vor, dass sich Luckey und andere Oculus Mitarbeiter laufend bei ZeniMax bedient haben. So sei Hardware, Software und Know-How genutzt worden, ohne ein Gegenleistung dafür zu liefern. Stattdessen hat man damit begonnen ZeniMax Mitarbeiter abzuwerben. In der Non-Disclosure-Aggreement (NDA) sei unwiderlegbar festgeschrieben, dass jegliches geistige Eitgentum von ZeniMax nicht ohne Erlaubnis der Firma verwendet werden darf. Dies sei aber passiert indem Oculus VR von jenem Eigentum profitieren konnte und in Anspielung auf den Facebookulus Deal schon Milliarden verdient hätte.

Carmack habe 2011 und 2012 bei id Software ebenfalls im Bereich der immersiven Spiele und Virtual Reality geforscht – er habe dabei in den Büros des Herstellers gearbeitet und auf Kollegen und die Arbeitsrechner zurückgegriffen.

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Nachdem Carmack und Luckey im April 2012 in Kontakt getreten seien wurde das VR-Headset von Oculus entscheident optimiert. Der Rift-Prototyp habe zu jenem Zeitpunkt keine Kopfbefestigung gehabt, keine VR-spezifische Software, keine integrierten Sensoren und andere wesentliche Features. Carmack hätte mit anderen ZeniMax Mitarbeitern den Prototypen in vielfacher Hinsicht verbessert, die Hardware erweitert und spezielle Software entwickelt. Zudem habe man die Doom 3: BFG Edition Rift-kompatibel gemacht – das Spiel sei dann für Technologie-Demos verwendet worden.

Man habe jene Hardware- und Softwareverbesserungen dann im Rahmen des NDAs Luckey gegenüber kundgetan. Auf der E3 2012 sei das HMD dann auch im ZeniMax-Stand gezeigt worden. ZeniMax habe jene Termine organisiert und so dabei geholfen, die Oculus Rift Brille bekannter zu machen.

“Ohne ZeniMax gäbe es kein Oculus Rift”

Luckey habe dies und den Wert Carmacks erkannt und nur Tage nach der E3 Oculus VR gegründet, um aus Rift ein kommerzielles Produkt zu machen. Oculus habe Hardware und Software von ZeniMax verwendet, um ein SDK für das Headset zu produzieren. ZeniMax habe die Spezifikation dafür geliefert und die Entwicklung gesteuert. Luckey und Oculus hätten die Expertise gefehlt, um ein gangbares VR-Headset zu erschaffen. Ohne das Know-how von ZeniMax wäre Rift nie ein praktikables Produkt geworden.

Nach guten Verhandlunegen über einen Ausgleich für ZeniMax zu Beginn der Oculus VR Gründung sei gegen Ende 2012  die Firma immer ausweichender und weniger kooperativ geworden in den Gesprächen – es kam nie zu einer Einigung, und eine Entschädigung habe es nie gegeben.

Die Übernahme von Facebook in Höhe von zwei Mrd. Dollar habe verdeutlicht, dass Oculus vom Eigentum ZeniMaxs’ profitierte und zeigte damit letztendlich “den enormen Wert des von ZeniMax erschaffenen geistigen Eigentums bestätigt.”

Des Weiteren bemerkt man im Anhang der Klage, dass das Unternehmen und seine Tochterfirmen sich schon in den 90ern mit VR beschäftigt haben und außerdem Prototypen für Marken wie The Elder Scrolls produziert worden sind, die für eine VR-Erfahrung optimiert worden seien. Id Software habe ebenfalls an VR geforscht. Dabei verweist man u.a. auf das unten gezeigte Video, in dem Carmack verlauten lässt, dass er sich schon vor 20 Jahren mit virtueller Realität auseinandergesetzt hatte. Der Hersteller fordert nun erwartungsgemäß Schadenersatz.

Das Unternehmen präsentiert außerdem einige wichtige Passagen aus der NDA, die Luckey unterschrieben hatte. Luckey habe sowohl Daten und Infos per FTP-Zugang als auch Kabel und spezielle Sensoren erhalten.

Luckey: Software nicht mein Metier

Die Beschwerden gehen weiter. Nicht nur sollen Tech-Demos von Rage auf Events verwendet worden sein auch hätte man beio Oculus die VR-Brille nicht richtig zum Laufen bringen können. Luckey sagte sogar öffentlich in einer Rede, dass die Software-Entwicklung nicht sein Metier sei. Auf den Vorschlag enger zusammenzuarbeiten und gegebenenfalls eine Partnerschaft zu bilden, sei man seitens Oculus nicht eingegangen. Nach mehreren Monaten meldete man sich erneut und forderte  exklusive Rechte an dem Code von ZeniMax und weitere Entwicklung vin Dingen nur für Oculus. Weiter wurde um Marketinghilfe sowie um 10.000 kostenlose Exemplare Doom 3 BFG Edition für Kickstarter Kunden verlangt. In Aussicht wurde lediglich der Erwerb von Firmenanteilen gestellt. Hir schwirren zahlen von 2% bis 5% im Raum.

Im Oktober 2012 habe ZeniMax einen Gegenvorschlag kundgetan, in dem mehr Anteile gefordert wurden. Als Gegenleistung hätte man Oculus VR weiterhin unterstützt und Zugang zu weiterem Material gewährt, das nicht von der NDA gedeckt ist. Einen Monat später habe Oculus geantwortet: “Mit dem Vorschlag wurde so weit über das Ziel hinaus geschossen, dass wir uns fragen, ob noch Hoffnung besteht.” Dennoch hat sich Luckeys Firma weiter auf den Support von ZeniMax verlassen und noch Ende November ZeniMax-Entwickler um Hilfe gebeten. Die Klageschrift zeigt mehrere Emails, in denen Oculus-Mitarbeiter bei Carmack & Co. nachfragen, wie sie bestimmte Sachen in ihren Spielen verwirklicht haben.

Im Dezember soll Oculus einen neuen Vorschlag unterbreitet haben: Dieser offenbarte keinerlei Aussicht auf Anteile als Entschädigung, lediglich die Möglichkeit, Anteile für mehrere Millionen Dollar zu erwerben. Auch habe man einen neuen Investorenprospekt anfertigen lassen, in dem wie auch schon vorher (und vom Kläger moniert) ZeniMax-Eigentum deutlich auftauchte.

Auch die Tatsache, dass im Februar 2014 dann fünf enge Kollegen von Carmack gleichzeitig gekündigt haben zeige das unethische Geschäftsgebaren von Oculus. Auch sie hätten Zugang zu vertraulichen Geschäftsdokumenten und Wissen gehabt – mindestens einer davon habe sich geweigert, schriftlich zu bestätigen, dass er sämtliches vertrauliches Material nach seiner Kündigung wieder an ZeniMax übergeben hat. Diese Entwickler hätten dann bei Oculus angeheuert.

ZeniMax habe Carmack am 20. Februar per Brief an seinen einstigen Arbeitsvertrag erinnert, der es ihm untersagte, innerhalb der ersten zwei Jahre nach seinem Abgang ZeniMax-Personal abzuwerben. Auch rief man in Erinnerung, dass sämtliche Entwicklungen aus seiner Zeit bei id Software Eigentum von ZeniMax seien.

Nach der Bekanntgabe des Facebook-Deals habe man sich wieder an Oculus VR gewand. Dort habe man mit einer “bemerkenswerten Pressemitteilung” reagiert, in der behauptet wurde, ZeniMax habe weder Marken noch Technologien beigetragen. Das Unternehmen habe so getan, als kenne man ZeniMaxgar nicht.

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