JUST-VR

Das Google Cardboard ist die am meisten verkaufte VR-Brille der Welt und hat mit ihrem Erfolg zahlreiche Nachahmer gefunden. So viele, dass selbst wir von VR Nerds nicht mehr dazu kommen alle Cardboard Alternativen zu testen. Braucht es bei solch einem Überangebot wirklich noch eine weitere Brille? – Ja sagen Daniel Ross und Markus Heimer von JUST-VR. Ich habe mich mit den beiden in einem Heidelberger Hotel getroffen und mit ihnen über Cardboards, Mobile VR und die Technik hinter all dem unterhalten. Das Interview gibt es als Podcast, zum Download und natürlich in einer etwas geschnittenen Version auch zum lesen. Viel Spaß!

Anmerkung: Während des Gesprächs haben mir die beiden ein Glas Cola ausgegeben. Auch die Parkkosten wurden mir erstattet.front_black

 

VR Nerds: Hallo ihr Beiden, stellt euch doch mal vor.

Markus Heimer: Hallo, mein Name ist Markus Heimer – seinerzeit bekannt von Matrix Technologies [Lollipop VR] in Darmstadt. Gemeinsam mit meinem Kollegen Daniel habe ich die Firma JUST-VR in Stuttgart gegründet. Wir sind seit drei Monaten aktiv – rein rechtlich gesehen zumindest.

Daniel Ross: Hallo mein Name ist Daniel Ross, ich bin ursprünglich Produkt Designer und kam so auch zu JUST-VR. Wir sind jetzt auf dem Weg die Brille auf den Markt zu bringen.

VR Nerds: Wie kamt ihr auf die Idee auch noch eine Mobile VR Brille auf den Markt zu bringen? Habt ihr nicht das Gefühl, dass der Markt übersättigt ist?

Markus Heimer: Wir haben entgegen dem Trend die Google Cardboard einfach nachzubauen beschlossen eine eigenes Design zu entwerfen. Denn die Cardboard ist eine sehr einfache Brille – und viele Unternehmer, die mit VR Brillenbau nichts zu tun haben laden sich einfach die Schnittmuster runter, gehen zu einem Experten für Kartonage, machen Gummibänder drum und verkaufen das. Dies ist jedoch aus unserer Sicht nicht VR-Brillenbau. Wir wollten ein Pendant erschaffen, aber haben einige Schwachstellen gesehen: Der fehlende Kopfgurt, man ist mit der Stirn sehr nah an der Kartonage, was zu Fettflecken führen kann. Ebenso wenig war es möglich die Linsen zu verstellen – ein aus unserer Sicht elementares Thema. Wir haben uns also gefragt: Was können wir tun um dem User einen Mehrwert zu generieren? – Anstatt einfach nur die fünfundzwanzigste Version der Google Cardboard nachzubauen. So kam der Kontakt zu Daniel, der Produktdesigner ist. Du hast erwähnt, dass der Markt übersättigt ist. Eigentlich stimmt das – im Bezug auf das Cardboard jedoch nicht. Bei Cardboards sind uns nur vier Typen bekannt, die unabhängig von der Google Cardboard sind, wobei zwei auch noch auf dem Schnittmuster von Google basieren. Aber in dem von uns angesteuerten Low-Budget Terrain haben wir nichts gefunden was ausreichend Qualität aufweist um Beispielsweise als Messe-Give-Aways zu fungieren. Wir sind keine Zeiss One oder Samsung Gear VR, welche sicherlich schon rein technisch gesehen um ein vielfaches besser sind, bieten wir für einen relativ schmalen Preis ein VR Erlebnis für die breite Masse. Auch ab einem Stücksatz von 60 Stück individuell brandbar.

VR Nerds: Du hast gerade den günstigen Einstiegspreis erwähnt – wie viel soll der Spaß denn kosten?

Daniel Ross: Unsere Brille wird im Endverkauf 29,95€ kosten. Sie kommt zusammengebaut in einem Karton. Zu bestellen ist sie auf unserer Homepage just-vr.com. Wir werden bis zum 15ten elften einen Preisnachlass von 10% anbieten. Zu bestellen ist die Shade-ProS; S steht für Smartphone.

VR Nerds: Gibt es denn dann noch eine andere Brille? Wenn S für Smartphone steht?

Daniel Ross: Es gibt noch die Shade-ProP; P steht für Phablets bis 6,2 Zoll.

VR Nerds: Ist bei dieser Brille dann auch die Kartonage etwas stärker und die Halterung straffer? In der Regel sind Phablets ja schwerer als normale Smartphones.

Daniel Ross: Wir haben ein sehr breites Gummiband dran, das hält das alles sichert.

VR Nerds: Kommen wir mal zu ein paar Spezifikationen. Was mir direkt aufgefallen ist, wir haben hier keinen Magnetschalter. War das eine bewusste Designentscheidung oder habt ihr gesagt, es gibt sowieso kaum Geräte die so etwas unterstützen?

Daniel Ross: Wir haben uns zu Beginn der Entwicklung natürlich überlegt den Magnetschalter mit dran zu nehmen. Sehr schnell haben wir aber festgestellt, dass es lediglich fünf Handsy auf dem Markt gibt, welche diese Steuerung überhaupt unterstützen und haben uns daher von dem Gedanken verabschiedet. Doch die Version die du vor dir hast sind eigentlich schon veraltet, denn die Finale Version wird sowohl einen Magnetschalter Besitzer als auch einen NFC-Chip.

VR Nerds: Für welche Handys ist die Halterung denn geeignet? Mobile-VR steht und fällt ja mit dem eingebauten Smartphone. Ab welcher Größe kann mJUST-VR
an die Handys einspannen und bis zu welcher Größe geht es?

Daniel Ross: In die Shade-ProS passen Handys von der Größe des iPhone 4 bis hin zum Samsung Galacy S5/ IPhone 6 also bis zu 5,2 Zoll für alles darüber gibt es unsere Phalbetvariante.

VR Nerds: Kommen wir zum letzten wirklich entscheidendem Part: Die Linsen. Was habt ihr da verbaut und kann man die Linsen verstellen?

Daniel Ross: Es sind 35mm Linsen mit 16mm Brennweite es sind sogenannte Plano-Konvexe Linsen also auf einer Seite flach, auf der anderen gewölbt. Die Linsen selber sitzen nah am Auge, doch brillentragen ist möglich. Ich habe bereits gehört, dass bikonvexe Linsen weniger Verzerrung bieten – das mag vielleicht bei einer großen Brennweite der Fall sein, bei uns jedoch nicht. Was die Verstellung angeht: Wir haben heraus gefunden, dass es zum einen wichtig ist, dass die Linsen so nah wie möglich am Auge sitzen zum anderen aber auch der Augenabstand berücksichtigt wird. Wir haben in unsere Brille einen sogenannten Verstellmechanismus eingebaut um die Linsen in einem Bereich von 10mm zueinander verstellen zu können.

VR Nerds: Wir haben ja auch bereits viele Smartphone-HMDs getestet und es wird uns immer wieder die Frage gestellt, wie sicher ist es, dass das Handy nicht aus der Halterung rutscht?

Daniel Ross: Da braucht man bei uns natürlich keine Angst zu haben, das Smartphone wird nicht heraus fallen.

VR Nerds: Vielleicht könnt ihr ja noch etwas zur Entwicklung eines eigenen Cardboards sagen. Vornehmlich kommen die meisten Firmen ja aus Amerika, einen Einblick zu bekommen wäre als auch aus deutscher Sicht sehr spannend.

Daniel Ross: Zuerst war unsere Idee wir machen ein Cardboard, weil es sich flach zusammengefaltet günstig verschicken lässt. Wir haben also erst einmal den Markt sondiert und haben anhand dessen festgelegt was wir eigentlich erreichen wollen. Es stand also erst einmal mehr der technische Fortschritt im Vordergrund als das Design. Was das Design angeht war uns klar, wir wollen nicht den gleichen Kasten machen wie Google. Wir haben uns dann auch schnell auf drei Hauptaspekte festgelegt: Den Tragekomfort, optimale Bildeinstellung dank der Linsen und eine markante, wieder erkennbare Form. Wir wollten eine klare, technische Form schaffen welche nicht direkt an Cardboard erinnert.

VR Nerds: Ist euer HMD eher für Geschäftskunden oder Konsumenten gedacht?

Markus Heimer: Sowohl als auch. Wir gehen eigentlich mehrere Betriebswege – wir sprechen junge, innovativ denkende Nerd/Geeks an welche sich mit Virtual Reality auskennen oder es kennen lernen wollen. Auf der anderen Seite können wir unsere Brille dank der Kartonage schnell und in hoher Stückzahl reproduzierbar was für Firmen als Messe-Giveaways mit auf die Firmen angepassten Branding inklusive Farbe der Moosgummipads – interessant ist. Beispielsweise hatten wir auf der IAA gerade das Thema, da hat VW Cardboards verteilt und wir glauben auch, dass in Zukunft viele Firmen auf so etwas zurück greifen werden.

VR Nerds: Das Cardboard ist also der Kugelschreiber von heute?

Markus Heimer: So gesehen ja, vor allem habe ich jedoch auf dem Cardboard mehr Platz für das Firmenlogo, welches so auch Meterweit gesehen werden kann. Auf einen Kugelschreiber schaut heutzutage niemand mehr drauf. Und man kann auf das Cardboard ja auch einfach QR-Codes drucken um noch mehr Werbung zu platzieren.

VR Nerds: Das bedeutet, dass der VR-Nutzer als lebende Litfaßsäule durch die Gegend läuft. Aber sehen wir momentan überhaupt Leute beispielsweise in der Frankfurter U-Bahn mit VR Brillen? Oder wird auch Mobile VR eher zuhause auf der Couch genutzt? Oder denkt ihr, dass man es auch mit in den Urlaub oder auf den Weg zur Arbeit nehmen wird?

Markus Heimer: Wir glauben schon daran, dass in Zukunft Nutzer Mobile VR Brillen auch mit in den Urlaub nehmen werden – doch da kommt es vor allem auf den Inhalt an. Wie beispielsweise 360° Filme auf Youtube. Sobald die Qualität hoch genug ist um auch auf Mobile VR alles betrachten zu können, ohne das es zu pixelig ist, werden sie auch draußen im Freien verwendet werden.

VR Nerds: Neben dem Handy ist ja auch die Software maßgeblich bei Mobile VR. Entwickelt ihr auch selbst Software oder präsentiert ihr quasi nur das Medium?

Markus Heimer: Es gibt da zwei Komponenten, es gibt einmal Just-VR in Stuttgart und dann gibt es da noch Prometh – das ist eine Weiterentwicklung der damaligen Matrix Technologies, welche sich auf die Erstellung von Inhalten fokussiert hat. Sowohl 3D-Software Entwicklungen betreibt als auch 360° Bilder und Videos erstellt. Wir haben zwar noch keine eigene Software für unsere HMDs, sind da aber im Gespräch mit Softwareentwicklern aus dem näheren Umfeld.

VR Nerds: Wo wir gerade von Software sprechen – es gibt ja auch AR-Apps. Wird es auch eine Version des Cardboards geben wo eine Aussparung für die Kamera mit dabei ist?

Daniel Ross: Die AR-Version unserer Brille wird es natürlich geben. Verkauft wird die Brille zuerst noch ohne, weil wir glauben es gibt einfach noch nicht genug AR-Apps, doch der nächste Schritt wird natürlich auch dies beinhalten.

Markus Heimer: Ich möchte anmerken, wir müssen ja immer überlegen zwischen Kosten und Nutzen. Eine Brille zu Designen kostet uns sehr viel Geld im Hintergrund und wir müssen sie produzieren, sogar auf Masse anfertigen. Und momentan sehen wir da noch nicht den Absatz – wir haben die Brille aber schon designt und quasi in der Schublade. Über unsere Seite kann man natürlich auch sagen, was einem an der Brille noch fehlt oder was man sich wünscht.

VR Nerds: Diesen Wunsch würde ich gerne aufgreifen – was bräuchte eurer Meinung nach die perfekte VR Brille von heute?

Markus Heimer: Sie braucht auf jeden Fall eine wesentlich bessere Auflösung. Aber ich glaube nicht, dass die breite Masse sich die richtigen Flaggschiffe für hunderte von Euro zulegen wird. Ich denke ein Optimum wäre es, wenn man Mobile VR und PC VR zu einem günstigen Preis verbinden könnte.

Daniel Ross: Die für mich perfekte VR Brille wird als solche nicht mehr zu erkennbar sein.

VR Nerds: Danke für das Interview!

 

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Julius
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Julius

wow.. wer auch immer den Text zum Interview hier hingeschrieben hat, hat echt nichts zu tun