8i Film in VR

360 Grad Videos sind eine feine Sache. Sie können die Erzähl-Methoden von Journalisten und Filmemacher erweitern und immersiver machen, aber mit „richtigem“ Virtual Reality haben diese Kugelbild-Aufnahmen noch nicht so viel zu tun. In der Regel sind sie nur selten stereoskopisch (3D-Effekt) und wenn doch, dann ist die Sicht oft eingeschränkt. Damit ein Film tatsächlich frei begehbar wird, also dass der Zuschauer die Szenerie durch Nutzung des Positional Trackings der VR-Brille von allen denkbaren Perspektiven erleben kann, müsste das Filmbild zum Zeitpunkt der Aufnahme von allen nur möglichen Standpunkten gefilmt werden. Ähnlich wie beim Bullet-Time-Effekt der für den Blockbuster und VR-Pflichtfilm Matrix pompös angewandt wurde. Nur in unserem Fall von nahezu unendlich vielen Kameras. Das ist mit herkömmlichen Filmtechnologien aus vielen Gründen nicht möglich.

Matrix

Filmen mit Tiefensensoren

Durch die X-Box Kinect Kamera haben sicher einige unserer Leser schon Kontakt zu sogenannten Tiefensensoren Kameras gehabt. Diese recht neue Technologie vermag es, dreidimensionale Objekte im Raum zu erkennen und mit der entsprechende Software im Computer abzubilden oder anders zu verarbeiten. Grundsätzlich ist es hiermit möglich 2D-Filmaufnahmen zu machen und diese dann wieder auf ein zeitgleich erstelltes 3D-Modell der Szene zu projizieren. Mit den gesammelten Daten kann man nun einen 3D-Film erzeugen, der je nach Position und Blickwinkel des Betrachters neu gerendert wird. Das Problem ist, dass beim Aufnehmen immer nur der Teil erfasst werden kann, der auch tatsächlich von der Kinect gesehen wird und deshalb kann man so normalerweise immer nur einen gewissen Grad an Freiheit genießen, da sonst die Bildinformationen nicht ausreichen und seltsame Verzerrungen stattfinden. Eine Lösung ist es, mehrere Kinects zusammen zu schließen um ein vollumfassendes 3D-Bild zu generieren. Dazu hier ein sehr schönes Video:

 

Kinect in schön

Wie man allerdings sofort erkennt, lässt die Qualität dabei noch sehr zu wünschen übrig. Schon viel besser sieht es bei 8i aus. Einer US-Firma, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, sich genau diesem Problem zu widmen. Die 27 Mitarbeiter, die früher schon bei Firmen wie Pixar und Dreamworks gearbeitet hatten, möchte nun echte Menschen in die virtuelle Realität bringen und dazu eine Plattform schaffen, mit der es auch Anderen möglich ist, Inhalte zu erschaffen und zu verbreiten. Das Video und die Live-Demos auf ihrer Website zeigen auf beeindruckende Weise, wie gut ihr Ansatz bereits funktioniert. Wahrscheinlich ist es ein ähnlicher technischer Aufbau, der mit mehreren Tiefensensoren funktioniert. Ob 8i mit ihrer Methode der Darstellung von Menschen in VR das Uncanny Valley Problem direkt überspringen können, bleibt abzuwarten. Allerdings sind die Aussichten sehr gut, da sie ja bereits von echten Menschen ausgehen und diese nicht erst generiert werden müssen.

13,5 Millionen Investment in 8i

Ich persönlich glaube, dass erst mit dieser Art der Aufzeichnung von echtem Leben das wirkliche Potential von Film und VR zu Tage kommt und wir hier am Anfang einer ganz neuen Epoche des Erzählens stehen (von den Möglichkeiten der sozialen Interaktion hier erstmal ganz abgesehen). Dass ich nicht der einzige bin der so denkt, zeigen die 13,5 Millionen USD an Investment die jüngst in die Firma geflossen sind.

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