Dieser Juli scheint ein guter Monat für Gear-VR-Spieler zu werden. Nachdem wir bereits das famose Augmented Empire testen konnten, liefert das deutsche Entwicklungsstudio CrazyBunch mit KryptCrawler einen waschechten RPG-Titel in den Oculus Store, der das Mobile-VR-System technisch ausreizt und dabei das Zeug hat, klassische Rollenspieler sowie Mobile-VR-Enthusiasten zu begeistern. Auch wenn das Spiel zusätzlich für die Oculus Rift erhältlich ist, befasst sich unser Review ausschließlich mit der Gear-VR-Version.

Zurück in den Dungeon – zurück in die 90er

Die 1990er Jahre kann man getrost als das goldene Jahrzehnt der Dungeon Crawler bezeichnen. Jenes Spielprinzip, welches das Erkunden von dunklen Verließen und feuchten Kellern in den Mittelpunkt rückte und den Begriff „Hack and Slash“ in den Vordergrund stellte. Denn euren Weg kreuzte meist allerlei Getier – vom Spinnenviech bis hin zum abgenagten Skelettkrieger. Nebenbei wurden Kisten geplündert, fiese Fallen umgangen und Rätsel gelöst. Warum dieser kurze Geschichtsausflug in die Zeit, als Serien wie Wizardry, Ultima Underworld oder The Bard’s Tale Besteller der Gaming-Welt waren? Weil KryptCrawler genau diese Vergangenheit wiederaufleben lässt – nur jetzt noch immersiver in VR. Und das macht der Gear-VR-Titel der Hamburger wirklich gut.

Geschichten aus der Gruft

So lockt den Spieler zu Beginn eine mysteriöse Stimme in die Gruft der gefallenen Helden, in der einem – genretypisch – Reichtümer, Ruhm und Ehre erwarten sollen. Sicher ist jedenfalls, dass der Spieler am Ende eine durchgehende Storyline bekommt, welche die düstere Atmosphäre unterstützt und sogar mit ein paar Twists aufwarten kann. Düster ist überhaupt das Schlagwort, denn die Stimmung ist schön dunkel geraten – genau wie man das in einem Kellerverlies erwartet. Vor allem jagen einem die Gegner manchmal einen gehörigen Schrecken ein. Insbesondere dann, wenn man nur noch einen Lebenspunkt hat, um die Ecke biegt und vom auftauchenden Gegner daraufhin um selbige gebracht wird.

Knackiger Schwierigkeitsgrad

Das liegt nicht zuletzt am Schwierigkeitsgrad, bei dem sich KryptCrawler auf seine „Hack-and-Slay“-Vorfahren aus den 90ern besinnt. Denn auch wenn die Gegner nicht unbedingt zahlreich sind, kann einem, neben den Kämpfen, zudem an jeder Ecke eine fiese Falle erwarten. Und wer das Zeitliche segnet, der wird wieder an den Anfang des Levels geschickt. Das ist manchmal frustrierend, aber immer herausfordernd. Denn es verursacht durchaus Glücksgefühle, wenn man mal wieder eine schwierige Stelle geschafft hat. Über zu wenig Spielzeit kann man sich deshalb nicht beklagen: 4 bis 5 Stunden sind die offizielle Vorgabe und das bei einem Titel für ein mobiles VR-Headset. Wer öfter ins virtuelle Gras beißt, für den zieht sich das Dungeon-Erlebnis natürlich in die Länge. Aber das macht nichts, denn es gibt einiges zu erkunden. Besonders hervorzuheben ist dabei das Art-Design, das uns kunstvolle verzierte Lampen und liebevoll gestaltete Items beschert. Hübsch geraten ist auch das Auswahlmenü. Dort wird nicht nur eine Level-Map anzeigt – die notwendig ist, denn in so einem Dungeon verirrt man sich immer wieder – sondern auch die Gegenstände, die unser Held im Laufe des Spieles findet.

Der Gear-VR-Controller schwingt das Schwert

Die Steuerung ist äußerst intuitiv. Genau genommen ist es eine der bisher  besten Steuerungsmöglichkeiten auf der Gear VR – wenn man sie erst einmal verstanden hat. Denn KryptCrawler steuert sich ein bisschen anders als vergleichbare Gear-VR-Titel. Und daran mussten wir uns erst einmal gewöhnen. Zusammenfassend gesehen empfehlen wir deshalb das Spielen im Stehen mitsamt Gear-VR-Controller oder alternativ mit passendem Gamepad. Wählt man den Controller, bewegt man sich per Touchpad linear in alle vier Himmelsrichtungen, der Button dient beispielsweise zum Greifen von Gegenständen. Wenn man den Gear-VR-Controller schwingt, schlägt man mehrmals mit dem Schwert zu. Für RPG-Veteranen schön: Mit jedem Schlag wird der Schaden beim Gegner in Zahlen angezeigt. Schade ist nur ein bisschen, dass der Charakter keine Erfahrungspunkte sammelt. Das war bei den Klassikern ein wesentlicher Rollenspielbestandteil.

Fazit

KryptCrawler will nicht ausschließlich Gaming-Geschichtsstunde sein, sondern als eigenständiges Spiel unterhalten. Und das macht das VR-RPG wirklich gut. Genau genommen fühlt sich KryptCrawler technisch und spielerisch eher an, als würde man einen Oculus-Rift-Titel spielen. Für den Preis von 4,99 Euro ist KryptCrawler deshalb zweifelsfrei ein Muss für Rollenspiel-Fans mit Vorliebe für klassische Spielprinzipien. Und auch Mobile-VR-Spieler, die Lust auf ein stimmiges wie herausforderndes Gear-VR-Spiel haben, ist KryptCrawler zu empfehlen.

Stark
  • Stimmige Atmosphäre
  • Spielzeit
  • Herausfordernd
  • Tolle Integration des Motioncontrollers
Schwach
  • Effekte fehlen manchmal
  • Leider keine Erfahrungspunkte
4 / 5

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