HTC Vive Focus 3

Die HTC Vive Focus 3 ist eine autarke VR-Brille von HTC, welche sich speziell an Unternehmen und Arcades richtet. Um diesen Anspruch gerecht zu werden, sind einige Funktionen enthalten, welche die Verwendung in einem professionellem Umfeld vereinfachen sollen. Wir haben die VR-Brille ausgiebig getestet und verraten euch in diesem Beitrag, ob die Focus 3 anderen autarken VR-Brillen den Rang abläuft. Bereitgestellt wurde uns die Brille freundlicherweise von Grover.

HTC Vive Focus 3

Quelle: HTC Vive

Die HTC Vive Focus 3 ist bereits die dritte Generation der autarken VR-Linie von HTC. Während die ersten beiden Versionen noch deutliche Schwächen beim Tracking zeigten, soll sich die neue Generation nicht mehr hinter der Meta Quest verstecken müssen. Dementsprechend setzt HTC auch auf ähnliche Komponenten, jedoch auf eine höhere Auflösung:

Bildschirm: Zwei 2.88″ LCD-Anzeigen
Auflösung: 2448 x 2448 Pixel pro Auge (4896 x 2448 kombinierte Pixel)
Aktualisierungsrate: 90 Hz
Sichtfeld: Bis zu 120 Grad
Audio: Richtlautsprecher + Kopfhörer (3.5mm)
Prozessor: Qualcomm® Snapdragon™ XR2
Speicher & Arbeitsspeicher: 128 GB / 8 GB mit Unterstützung für bis zu 2TB microSD
Sensoren: 4x Tracking Kameras, G-Sensor, Gyroskop, Näherungssensor
Akku: 26,6Wh Akku – herausnehmbar & austauschbar
Verbindungen: Wi-Fi 6, Bluetooth 5.2 + BLE, USB Typ-C

Ersteindruck: Verarbeitung, Komfort und Einrichtung

Die HTC Vive Focus 3 ist auf den ersten Blick gut verarbeitet, jedoch wirkt das schwarze Plastik auf mich weniger hochwertig als es auf Fotos den Eindruck machte. Die Konkurrenz ist in diesem Punkt zwar nicht deutlich besser, jedoch teilweise deutlich günstiger. Ein Premium-Feeling hatte ich erwartet, aber leider habe ich “nur” einen gehobenen Standard erhalten.

Doch wichtig ist nicht das äußere Design einer VR-Brille. Also schnell alle Folien entfernen und auf in die Virtual Reality! Brille auf und los! Leider… nein.

Zunächst musste ich eine Software auf einem Smartphone installieren, um die Brille in Betrieb nehmen zu können. Das kennen wir auch von anderen Herstellern, was den Umstand aber nicht besser macht. Hinzu kommt, das die App nicht nur benötigt wird, um die Brille erstmalig einzurichten, sondern auch für den kompletten Store benötigt wird. Wenn ihr eine App im Store in der VR-Brille anklickt, dann erhaltet ihr eine Nachricht, dass ihr auf eurem Smartphone fortfahren sollt. Somit hätte man sich die Darstellung des Stores in VR auch sparen können.

Dennoch soll dies kein Kritikpunkt darstellen, da die Brille einfach nicht dafür gedacht ist, dass sich Heimanwender und Heimanwenderinnen schnell wohl fühlen. Es geht um Vorführungen, Präsentationen und Meetings mit einer zuvor konfigurierten VR-Brille. Vermutlich ist der Store deshalb noch relativ unausgereift. Erwähnen wollte ich den Umstand dennoch, da es sicherlich einige Enthusiasten gibt, die sich die Focus 3 auch in die eigenen vier Wände holen würden.

Ähnliches gilt für den verbauten Lüfter: Er ist sehr laut und das zerstört die Immersion im Wohnzimmer. In einer Arcade, wo es aber ohnehin viele Umgebungsgeräusche gibt, wird man ihn nicht wahrnehmen.

Die Einrichtung der Spielfläche geht in kürzester Zeit und ist aufgebaut wie bei Meta oder Pico. Ihr setzt einen Punkt für die Höhe des Bodens und könnt anschließend eure Begrenzung einzeichnen.

Kleine Komfortzone

Die Vive Focus 3 wirkt auf den ersten Blick komfortabel. Die Halterung für den Kopf ist steif und es gibt ein Drehrad am Hinterkopf zum Justieren. Der Akku auf der Rückseite sorgt für eine ausgeglichene Gewichtsverteilung und die Polster fühlen sich angenehm an.

Auf den zweiten Blick verfliegt dieser Eindruck jedoch schnell. Der Sweetspot der Linsen, also der Bereich, in welchem ihr das Bild klar erkennen könnt, ist relativ klein. Um diesen Sweetspot optimal zu treffen, war es bei mir nötig, die Halterung am Hinterkopf so hoch zu ziehen, dass es schnell unkomfortabel wurde. Mir blieb also die Wahl zwischen einem komfortablen Sitz der Brille und einer scharfen Darstellung. Ich gehe nicht davon aus, dass dieses Problem bei jeder Kopfform auftreten wird, jedoch kommen auch andere Reviews zu diesem Schluss. Dennoch wird die Brille bei mir nie so unkomfortabel, dass es große Auswirkungen beim Spielen haben würde. Erwartet hätte ich aber mehr und ich kann die Brille definitiv nicht so tragen, wie es HTC Vive bewirbt.

Bildeindruck

Die HTC Vive Focus 3 zeigt 2448 x 2448 Pixel pro Auge bei einem maximalen Field of View von 120 Grad. Hierfür kommen zwei LCD-Anzeigen zum Einsatz. Das Bild zeigt sich farbenfroh und ein Fliegengitter (Struktur durch Abstände zwischen den Pixeln) ist kaum bzw. nicht erkennbar. Insgesamt wirkt das Bild feiner und detaillierte als mit der Quest 2.

Die Linsen der Focus 3 sind jedoch deutlich schwächer als die Linsen der Quest 2 oder Pico Neo 3. Sie spiegeln Licht innerhalb der Darstellung deutlich und zudem sorgt vermutlich die Form dafür, dass ich einen deutlichen schwarzen Balken in der Mitte sehe. Ich nehme an, dass man sich an den Bildeindruck gewöhnen kann. Dennoch würde ich die Pico Neo 3 oder die Quest 2 vorziehen.

Quelle: HTC Vive

Insgesamt ergibt sich ein gemischter Bildeindruck. Zwar ist das Bild super scharf, wenn der Sweetspot getroffen wird, jedoch stören die Reflexionen sehr. Diese Reflexionen sind stärker ausgeprägt als bei anderen VR-Brillen mit Fresnel-Linsen, da HTC bei der Vive Focus 3 auf ein “Dual Stacked”-Design, um ein höheres Field of View zu erreichen. Meiner Meinung nach zahlt sich diese Idee nicht aus. Das Field of View wirkt kaum größer als bei der Pico Neo 3 oder Meta Quest 2, jedoch stechen die Reflexionen deutlich stärker hervor.

Tracking, Performance, Controller

Quelle: HTC Vive

Das Tracking der Focus 3 funktioniert zuverlässig. Die Controller werden korrekt verortet und auch das Bild in der Brille ist stabil. Trotz 90Hz habe ich den Eindruck, dass die Controller einen Hauch langsamer abgetastet oder dargestellt werden als bei der Pico Neo 3 oder Oculus Quest 2.

Die Controller der Vive Focus 3 werden per USB-C geladen und liegen angenehm in der Hand. Nutzer und Nutzerinnen einer Meta Quest 1 oder Rift S fühlen sich vermutlich sofort wohl. Auch beim Design und der Anordnung der Elemente hat sich HTC an Meta (Oculus) orientiert, was sehr begrüßenswert ist. Störend ist jedoch der Trigger-Button, bei dem ein Widerstand überwunden werden muss, bis es einen spürbaren Klick gibt. Da dies nicht üblich ist, habe ich häufig vergessen, den Trigger noch weiter durchzudrücken und mich über eine fehlende Eingabe gewundert.

Ansonsten lässt sich die Performance im autarken Modus für mich leider kaum beurteilen, da es nicht wirklich Inhalte für die Brille gibt. In der Theorie soll die Leistung der Vive Focus 3 höher sein als die der Meta Quest 2, da Meta den Takt des XR2 Chips wohl beschränkt, während HTC Vive ihn auf dem Standardtakt arbeiten lässt.

Quelle: Geekbench

Doch dieser Benchmark sollte mit Vorsicht genossen werden. Eine bessere Leistung in der Theorie gibt noch keinen echten Boost in der Performance. Entscheidend ist, wie gut die Software optimiert ist.

Arcade Features

Quelle: Tower Tag Arena im VRHQ in Hamburg

HTC hat sich für die Focus 3 einige Feature überlegt, die die Arbeit in einer Arcade erleichtern sollen. So können die Brillen extern verwaltet werden und auch eine Bespielung von Inhalten über microSD-Karte ist möglich. Die Verwaltungssoftware für den Zugriff auf mehrere Brillen habe ich nicht getestet und ist daher nicht Teil des Reviews. Da ich viele Monate eine Arcade aufgebaut und betreut habe, möchte ich jedoch auf die Feature eingehen, die den Alltag in einer Arcade erleichtern können.

Wechselbarer Akku

Bei der Verwendung einer autarken VR-Brille in einer Arcade ist der Akku eines der größten Probleme. Zwar lässt sich die Lebenszeit der Brillen häufig mit externen Akkus verlängern, jedoch reicht selbst dies in der Regel nicht aus, um eine Spielzeit von 8-10 Stunden abdecken zu können. Dieses Problem geht HTC mit der Focus 3 an und hat der VR-Brille einen wechselbaren Akku spendiert, welcher sich am Hinterkopf befindet. Dieser Akku lässt sich sogar während der Benutzung austauschen, wodurch die Brille nicht neu gestartet werden muss. Generell eine tolle Idee, doch noch schöner wäre es gewesen, wenn man die Brille für den Tausch der Akkus nicht absetzen müsste. Der Akku ist nur entfernbar, wenn man die Brille in den Händen hält. Somit wurde eine Möglichkeit zum komplett reibungslosen Austausch leider verfehlt. Dennoch ist die aktuelle Lösung bereits ein großartiger Schritt in die richtige Richtung.

Magnetische Frontschale und Polster

Die Reinigung von VR-Brillen in Arcades ist extrem wichtig. Und dies nicht nur wegen Corona. Auch Gerüche und Schweiß andere Menschen möchte man nicht in einer VR-Brille wahrnehmen.

Um eine saubere Erfahrung zu ermöglichen, ist die Frontschale der Focus 3 magnetisch und in Sekunden ausgetauscht. Auch alle weiteren Polster sind einfach entfernbar und lass sich dadurch schnell und gründlich reinigen.

VIVE Business Streaming

Quelle: HTC Vive

Das Vive Business Streaming funktioniert ähnlich wie Link von Oculus bzw. Meta. Ihr könnt Inhalte von einem PC kabellos auf die Brille streamen oder ein USB-C-Kabel verwenden. Damit dies funktioniert, müsst ihr eine entsprechende Software auf dem PC installieren. Bei mir hat die Einrichtung nur wenige Minuten benötigt und anschließend war die Brille einsatzbereit. Und ja: Es gibt durchaus Gründe, eine autarke Brille für Streaming in einer Arcade zu verwenden, wenn das Kabel ein großer Störfaktor ist. Beispielweise in Spielen, bei denen reale Objekte Teil der Erfahrung sind.

Da ich das Streaming nicht mit vielen Brillen parallel in einer Arcade testen konnte, kann ich leider nicht sagen, ob sich die Lösung von HTC besser schlägt als die Lösungen der Konkurrenz. Die Nutzung am Heim-PC war jedoch problemlos möglich. Die Qualität des Streamings ist ungefähr vergleichbar mit der Qualität des Streamings der Meta Quest 2.

Controller mit Akku

Controller mit wechselbaren Batterien sind für den Heimgebrauch in Ordnung. Teilweise bevorzuge ich sogar solche Geräte, da ich sie nicht laden muss, bevor ich sie benutze und somit direkt starten kann.

In einer Arcade ist das hantieren mit wiederaufladbaren Batterien jedoch ein großes Problem. Allein das Öffnen und Schließen der Batteriefächer ist zeitaufwändig.

Die Controller der Vive Focus bieten eine Akkulauftzeit von 15 Stunden und werden per USB-C geladen. Somit können die Controller über Nacht geladen werden und stehen dann für einen ganzen Tag zuverlässig bereit. Damit ihr für das Laden keine besonderen Stationen einrichten müsst, könnt ihr die Controller auch direkt mit der VR-Brille verbinden und sie über diese mit Strom versorgen. Ein entsprechendes Kabel, für das Laden beider Controller zu selben Zeit, liegt bei.

Fazit

Die HTC Vive Focus 3 ist eine solide VR-Brille für Arcades. Ob man sich für oder gegen die VR-Brille im professionellem Umfeld entscheidet, sollte daran festgemacht werden, welchen Support und welche Funktionen man für sein Unternehmen benötigt. Die Technik und die Software sind auf aktuellem Niveau und vollkommen in Ordnung.

Für den Heimanwender oder die Heimanwenderin ist die Brille jedoch nicht gedacht. Eine technisch gute Brille ohne Inhalte bringt euch nicht besonders viel. Zwar könnt ihr die Brille auch zum Streaming vom Heim-PC nutzen, aber hierfür macht dann der aufgerufene Preis keinen Sinn. Für alle Menschen die ihre VR-Brille hauptsächlich privat nutzen, empfiehlt sich die Meta Quest 2 (Langzeittest zur Meta Quest 2). Meta bietet auch eine Version der Quest für Unternehmen an. Sollte die etwas geringere Auflösung kein Problem darstellen, würden wir auch Unternehmen zur Meta Quest raten, da der Gesamteindruck besser ist.

Neben der Vive Focus 3 gibt es für Arcades auch die Option eine Pico Neo 3 zu benutzen, welche ebenfalls als solide VR-Brille beschrieben werden kann. Einen ausführlichen Bericht zur Pico Neo 3 könnt ihr schon bald bei uns lesen.

Wir bedanken und bei Grover für die Bereitstellung der Brille. Grover hatte keinen Einfluss auf den Inhalt des Artikels. Wir würden uns sehr freuen, wenn ihr bei unserem Partner vorbeischaut. Bei Grover könnt ihr beispielsweise VR-Brillen für einen gewissen Zeitraum mieten und zurückgeben, wenn ihr nicht wisst, welche Brille für euch die Beste ist. Hier findet ihr die Focus 3 bei Grover.

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patfish
patfish
10 Monate her

OLED statt LED, PEN cacke linsen statt Frasnel und Lighthoustracking statt internes Tracking und ich hätte mir die Vive geholt. Keine Ahnung warum bei der Vive Pro 2 auf dieses Facelift verzichtet wurde :-(

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Warriors Vest
3 Monate her

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