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PSVR-Mitentwickler Dave Ranyard gibt Einblicke in das Leben eines VR-Indie-Devs

Viel Spaß!

Dave Ranyard verlies nach knapp 18 Jahren Arbeit als führender Entwickler und Leiter der Sony Studios London im Jahr 2016 das Unternehmen, um sein eigenes Entwicklerstudio Dream Reality Interactive zu gründen. In einem Interview mit Upload VR beschreibt der kreative Kopf seinen Werdegang als Indie-Entwickler und die Probleme, Herausforderungen sowie Vorteile, die der Wechsel mit sich brachte und seinen heutigen Stand in der Industrie.

Dave Ranyard über seinen Abschied bei Sony und der Gründung seines eigenen Indie-Studios

In seiner Zeit bei den Sony Studios London war Dave Ranyard als einer der Hauptentwickler der PlayStation VR (PSVR) beteiligt. Als Verfechter der VR-Technologie und -Brille präsentierte er verschiedene Demos der Spielesammlung PlayStation Worlds und arbeitete zudem an innovativen AR-Titeln wie Wonderbook. Kurz vor dem Release der VR-Brille verlies der damalige Leiter das Unternehmen, um sein eigenes Indie-Studio Dream Reality Interactive zu gründen.

In einem Interview mit Upload VR beschreibt er die vergangenen zwei Jahre, die seit diesem Entschluss ins Land gezogen sind. Auf Nachfrage, warum er damals diese Entscheidung getroffen hat, stellt der heute 50-Jährige persönliche Motive als Hauptmotivation in den Vordergrund:

Ob es eine verrückte Entscheidung war? […] Ich war damals 48 Jahre alt und dachte: “Wenn ich es jetzt nicht tue, werde ich es niemals tun.” Ich machte mir selbst Druck, denn mich plage ständig der Gedanke, wie großartig es wäre, ein eigenes Studio zu besitzen.”

Jedoch konnte er auf seine Gründererfahrung zurückgreifen, denn bereits vor seiner Zeit bei Sony leitete er einen eigenen Klamottenladen und war als freitätiger Musiker tätig. Risikofreudig war er jedoch schon immer, was er in seiner langjährigen Arbeit an der PlayStation VR (PSVR) unter Beweis stellte:

“Es war bereits bei Sony ein hohes Risiko das Projekt PSVR zu starten, als die Brille lediglich ein Prototyp-Helm mit ein paar Befestigungsriemen war. Dabei mussten wir zunächst eine Menge ausprobieren, was zur finanziellen Herausforderung für das Unternehmen wurde. Unsere ersten Ergebnisse konnten sich jedoch sehen lassen und wir haben eine Menge daraus gelernt.”

Dave Ranyard – “Im VR-Markt steht man nicht im Wettbewerb zueinander. Es ist ein Netzwerk, indem sich alle untereinander helfen”

So entschloss er sich damals kurz vor der offiziellen Veröffentlichung der PlayStation VR (PSVR) bei Sony aufzuhören. Auch wenn er sein Herzblut in das Projekt steckte, glaubte er so fest an die VR-Technologie, dass er sich durch den frühzeitigen Wechsel finanzielle Investments für eigene Projekte erhoffte. Ein gewagtes Unterfangen, denn der AR- und VR-Markt benötigte deutlich mehr Zeit als von damaligen Analysten prophezeit. So beschreibt er in einer Indiana-Jones-Metapher den schmalen Grat zwischen Hoffnung und Verzweiflung, den der vierfache Familienvater in so manchen Momenten durchlebte:

“Ich mache jetzt Witze darüber, aber es gab Momente, in denen ich am Rande der Verzweiflung stand, nur Millimeter vom Absturz entfernt. Das fühlt sich an, als ob man auf einer Seilbrücke wie bei Indiana Jones steht, die jeden Moment reißen könnte und Leute hinter dir her rennen und du nur noch nach Hilfe rufen möchtest.”

Orbu für iOS

Jedoch konnte sich das Studio mit Auftragsarbeiten, wie der VR-Erfahrung Hold the World für das London History Museum über Wasser halten und auch bald eigene Projekte starten. Ebenso entwickelten sie für Apple die AR-Erfahrung Orbu, ein Minigolfspiel für iOS. Besonders positiv hebt Ranyard die VR-Industrie im Vereinigten Königreich hervor:

Im VR-Markt steht man nicht im Wettbewerb zueinander. Es ist ein Netzwerk, indem sich alle untereinander helfen.”

Auf die Frage hin, ob die Gründung des Studios eine gute Entscheidung war, entgegnet er nur:

“Um ehrlich zu sein, habe ich niemals zurückgeblickt. Ich hatte niemals einen großen Plan, aber ich denke, ich habe das Richtige getan.”

Sein Indie-Studio beheimatet heute ein Team von insgesamt zehn Mitarbeiter/innen, die am 4. Dezember das erste eigene VR-Spiel Arca’s Path präsentieren. Weitere B2B-Projekte sowie Gespräche über ein größeres eigenes Projekt sind zudem bereits in der Planung. Besonders in edukativen VR-Erfahrungen sieht sein Team großes Potenzial.

(Quelle: Upload VR)