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Test: Augmented Reality Brille Meta 2

Viel Spaß!

Mit der HoloLens brachte Microsoft bereits im März 2016 ein neuartiges Produkt in die Hände von Entwicklern, die bereit waren, mindestens 3000 US-Dollar auf den Tisch zu legen. Mit der HoloLens versprach der Hersteller die nahtlose Verbindung zwischen realer Welt und virtuellen Objekten für ein noch nie dagewesenes Spielerlebnis und Arbeitsumfeld. Microsoft stellt auf seinen Präsentationen aber gerne einen wichtigen Fakt in den Hintergrund: Die Brille hat ein extrem kleines Field of View, also einen sehr kleinen Bereich, in dem virtuelle Objekte dargestellt werden können. Meta wollte dies mit der Meta 2 besser machen und verschickt nun mittlerweile seine AR-Brille mit größerem Field of View und einem günstigeren Preis.

Im Gegensatz zur HoloLens muss man einen leistungsstarken PC mit der Brille verbinden, da sie nicht komplett autark ist. Wer mit dieser Einschränkung leben kann und als Entwickler in die AR-Welt eintauchen will, könnte eventuell bereits ein Auge auf die Meta 2 geworfen haben. Wir klären in diesem Review, ob sich die Investition lohnt.

Meta 2: Scharfe Darstellung mit zu hoher Latenz

 

Wenn virtuelle Objekte mit der echten Welt verschmelzen, wird sich in unserer Gesellschaft vieles verändern. Schauen 2018 in der Bahn noch alle auf den Boden, fuchteln 2028 vielleicht alle Menschen wild in der Luft herum, weil sie mit ihrer AR-Brille die News abrufen, Spiele spielen oder einfach auf Facebook ihre Zeit vertreiben. Diese Zukunft werden wir jedoch nur erreichen, wenn mutige Entwickler bereits heute mit der noch nicht ganz reifen Technologie experimentieren und Investoren zeigen, was mit AR in der Zukunft alles möglich sein wird.

Das Verschmelzen von echter und virtueller Welt gelingt über eine saubere Darstellung der Objekte, wobei diese korrekt in der Welt verankert sein müssen. Die Meta 2 schafft zwar eine sehr schöne, klare, opake und scharfe Darstellung (2.5K/60Hz) der „Hologramme“, jedoch hinkt das Tracking deutlich hinterher. Bei Kopfbewegungen hat man dadurch nicht den Eindruck, als seien die Objekte tatsächlich in der Welt, sondern als würden sie um einen gewissen Punkt träge herumwabern. Anscheinend ist das verwendete Tracking von Meta zu langsam und dadurch entsteht eine sehr stark spürbare Latenz. Im folgenden animierten Bild halten wir ein Objekt an einem Punkt fest und bewegen den Kopf schnell von links nach rechts. Theoretisch sollte das Objekt in unserer Hand bleiben, doch das Objekt zieht deutlich nach:

Auch mit dem aktuellsten Software-Update (2.5) hat sich das Problem nicht verbessert und wir können uns auch schwer vorstellen, dass der Hersteller das Tracking durch zukünftige Updates auf Augenhöhe mit der HoloLens bringen kann.

Ich habe einen Knick in der Optik

Die gebogene Front der Meta 2 und die Form der Gläser führen zwar zu einem großen Field of View (Herstellerangabe: 90 Grad), jedoch auch dazu, dass ihr die Welt im Hintergrund nicht mehr natürlich sehen könnt. Die Biegungen der Gläser verformen eure Sicht und dadurch ist an die Verwendung als zusätzlicher Monitor beim Arbeiten kaum zu denken. Schade, denn eigentlich scheint Meta genau diesen Verwendungszweck prominent vermarkten zu wollen. Denn bisher gibt es nur Demos, in der man Bälle greift sowie den Meta 2 Workspace, welcher euch demonstrieren soll, wie zukünftig Menschen ihre Zeit am PC verbringen werden.

Positiv ist jedoch zu sagen, dass der Workspace bereits eine sehr schöne Demonstration ist, welche nicht nur mit den Händen bedient werden kann, sondern auch mit Tastatur und Maus. So könnt ihr euch bereits einen Browser oder Monitor einblenden lassen und direkt mit der Arbeit beginnen, auch wenn das derzeit noch keinen praktischen Nutzen besitzt.

Pferdefuß der Meta 2: Tracking

Die Meta 2 hat, wie bereits weiter oben erwähnt, eine zu hohe Latenz beim Tracking. Doch nicht nur die Darstellung leidet darunter, sondern auch die Eingabe. Während Microsoft das Tracking der Hände eher für die Befehlseingabe via Gesten verwendet, sollt ihr mit der Meta 2 Objekte anfassen, greifen und verformen können. In der Theorie klingt die Idee super, doch in der Praxis ist es einfach nur nervig. Die Hände werden teilweise spät erkannt, die Objekte sind meist weiter weg als man selbst einschätzt und ein haptisch Feedback fehlt ohnehin, da kein zusätzlicher Controller oder ein Feedback-System verwendet werden.

Hinzu kommt, dass Meta sich einen schwierigen Bereich für die Verwendung ausgesucht hat. Während Microsoft mit der HoloLens auf eine Verwendung in großen Räumen setzen kann, muss die Meta durch das kurze Kabel mit dem Arbeitsplatz vorlieb nehmen. Dieser Bereich ist naturgemäß sehr klein und eine akkurate Darstellung von Objekten in unmittelbarer Nähe erfordert ein extrem genaues Tracking. Um so näher wir uns an den Hologrammen befinden, umso schneller fallen uns auch die Fehler ins Auge. Natürlich kann man argumentieren, dass man sich umdrehen könnte, aber dann macht die Workspace Demo wieder keine Sinn mehr. Das 2,7 Meter kurze Kabel führt dazu, dass ihr die Objekte nicht besonders weit weg von euch platzieren könnt.

Fazit

Die Meta 2 ist bisher nicht der erhoffte Konkurrent zur HoloLens von Microsoft. Die Darstellung der Hologramme über eine reflektierende Schicht auf der Brille ist kein Hexenwerk. Die große Kunst ist es, die Technik in den Hintergrund treten zu lassen und dies gelingt der Meta 2 aufgrund des schlechten Trackings, welches wir unter diversen Bedingungen getestet haben, nicht. Für Entwickler stellt das Unternehmen alle nötigen SDKs bereit und die Brille lässt sich im Moment für knapp 1500 US-Dollar bestellen. Wir würden jedoch auch als Entwickler trotz des kleineren Sichtfeldes eher zur HoloLens greifen.

Stark
  • Scharfe und opake Darstellung
  • Support, Tools und Software
Schwach
  • Tracking der Umgebung und Hände
  • Gebogenes Display biegt die eigene Sicht
  • Heller Streifen in der Mitte sichtbar
2.5 / 5

Testsystem:

GTX 1080 Ti, I7 8700K, 16GB RAM