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Konrad the Kitten: Interview mit dem Cat Creator Konrad Kunze

Viel Spaß!

Am Freitag, den 23. Februar 2018 verlässt das VR-Spiel Konrad the Kitten nach über 18 Monaten den Early Access auf Steam und wechselt in den Full Release. Für uns VR Nerds ein guter Grund, mal nachzufragen. Zum Beispiel, wie man auf die Idee kommt, einen Touch Controller an ein Plüschtier zu heften und den Kuschlfreund so in die virtuelle Realität zu holen. Konrad Kunze, Freund von Kätzchen und Hundewelpen sowie Kopf von Konrad the Kitten, stellte sich unseren Fragen.

Konrad Kunze und Konrad the Kitten

VR Nerds: Wer steht eigentlich hinter Konrad the Kitten?

Konrad Kunze: Die Idee zum Spiel kommt von mir und ich setze es mit FusionPlay um. Die Muttergesellschaft IT Sonix Custom Development aus Leipzig beschäftigt über einhundert Mitarbeiter, von denen ich mir je nach Bedarf welche „ausleihen“ kann. Der größte Vorteil ist aber die große Anzahl an Testern. Da das Testen als Arbeitszeit gilt, stellen sich viele äußerst gerne zur Verfügung.

VR Nerds: Was war der Grundgedanke zu Konrad the Kitten? Warum eine Katze?

Kunze: Ursprünglich war das Spiel als Geschenk zum Jahrestag für meine Liebste gedacht und noch ein Spaßprojekt. Ich mag zwar Katzen, habe aber selbst keine. Meine Lebensgefährtin hat mich aber angesteckt. Generell kann ich mich trotz meines Alters für niedliche Dinge begeistern. Nicht nur für Katzenbabies, sondern auch für Hundewelpen.

VR Nerds: Die Besonderheit von eurem Spiel ist ja die Möglichkeit, einen Touch Controller an einem Plüschtier befestigen zu können, das dann getrackt wird. Wie kommt man auf so etwas?

Kunze: Ich hatte viel mit der Verwendung der Vive Controller experimentiert und auch in den News die verrücktesten Experimente verfolgt. Dabei kam mir der Gedanke, einen realen Gegenstand zu tracken und sehr schnell war die Idee da, dafür ein Plüschtier zu nehmen. Das passt doch perfekt, um das Gefühl einer flauschigen Katze zu vermitteln. Die erste Testversion war übrigens eine Kinderwärmflasche, die wie eine Kuh aussah. Dort war es noch perfekt, dass das Gewicht eher dem einer echten Katze ähnelte. Letztlich war die kleine Idee so überzeugend, dass ich bei FusionPlay ein Projekt daraus machen konnte und wir uns entschlossen haben, ein richtiges Spiel auf dieser Basis zu produzieren.

VR Nerds: Was war die größte Herausforderung für euch, die VR-Erfahrung umzusetzen? Worauf seid ihr besonders stolz?

Kunze: Es gab eine Menge Probleme die wir lösen mussten, die andere Spiele sicher so gar nicht kennen. Am stolzesten sind wir vermutlich auf die Kalibrierung der Katze. Der kleine Vorgang am Start des Spiels sorgt dafür, dass im Plüschtiermodus die Katze perfekt eingestellt ist. Dabei werden die Fußbodenhöhe, die Position des Controllers am Plüschtier und der Befestigungswinkel ermittelt. Das Spiel korrigiert subtil die Position, sodass die Katze perfekt auf dem Boden steht, wenn man das Plüschtier auf dem Boden ablegt. Im Hand-Modus nutzen wir die Kalibrierung ebenfalls, da allerdings nur, um den virtuellen Fußboden 10 cm über dem echten zu platzieren. Damit verhindern wir, dass der Spieler bei der Mäusejagd den Controller in den Fußboden rammt.

VR Nerds: Konrad the Kitten erschien ja bereits im Sommer 2016 und geht jetzt in den Full Release. Was hat sich in der Zeit getan?

Kunze: Eine ganze Menge. Ursprünglich starteten wir mit drei Regionen: Haus, Wald und Strand. In der Version 0.3 ersetzten wir das Haus um die drei Räume Küche, Bad und Wohnzimmer. Später kam noch der Schuppen als Optionsmenü hinzu. Am Anfang hatte das Kätzchen nur drei zufällige Wünsche. Ein richtiges Tamagotchi wurde erst mit Version 0.4 und dem „Needs & Wishes“ System daraus, das Bedürfnisse hinzugefügt. Beispiel: Isst die Katze oft, muss sie irgendwann aufs Katzenklo, danach brauch sie dann Hygiene. Danach führten wir die Langzeitattribute Liebe, Erziehung und Gesundheit ein. Kümmert man sich also oft und gut um das Kätzchen, wird es einen immer mehr lieben, gut erzogen sein und gesund bleiben. Das wiederum ermöglicht es, die Katze schneller hochzuleveln.

Grafik und Texturen haben sich in Konrad the Kitten in den letzten Monaten verbessert.

Um auch nach dem Freischalten aller Regionen und Objekte ein Ziel für den Spieler zu haben, haben wir in Version 0.5 den Bärenladen eingebaut. In diesem lassen sich über 50 Accessoires freischalten und somit das Kätzchen nach eigenen Wünschen gestalten. Dabei war es uns wichtig, sowohl niedliche wie auch witzige Accessoires dabei zu haben. Zum Schluss haben wir uns dann um die Optimierung des Einstiegs in das Spiel gekümmert. Dazu haben wir ein Tutorial entwickelt und den Intro-Bereich neu gestaltet. Hier konnten wir das Feedback aus dem Early Access besonders gut gebrauchen.

Ansonsten haben wir zum Beispiel die UI komplett neu gestaltet und eine integrierte 3D-UI entworfen, die Grafik kontinuierlich aufgebohrt, 3D-Modelle optimiert und die Texturen verbessert.

VR Nerds: VR und AR: Wo siehst du die Zukunft, welche Entwicklung ist besonders spannend?

Kunze: Das ist sehr unterschiedlich. Im Industriebereich sehe ich für AR eine sehr interessante Zukunft. Mit AR kann man die Arbeit erleichtern und effizienter gestalten, indem man Mitarbeitern in Echtzeit relevante Informationen einblendet. Zum Beispiel sieht der Lagerarbeiter, wo er hin muss, oder der Stahlkocher bekommt eine Statusanzeigen über jeder Maschine angezeigt.

Im VR Segment sieht das ganz anders aus. Für VR sehen wir eher die Zukunft im Bereich Unterhaltung. Im Gegensatz zu AR lädt VR den Nutzer ein, die reale Welt auszublenden und in einer virtuellen Welt abzutauchen. Nur dadurch ist es möglich, dass man sich in seinem Lieblingsspiel oder Lieblingsfilm nicht mehr wie ein Zuschauer sondern wie der Hauptdarsteller fühlt. Allein die erste Generation an VR-Systemen für Konsumenten – so unperfekt sie auch noch sind – ermöglicht es Menschen schon, auf unglaubliche Weise in Spiele und Filme einzutauchen. Wir sind davon überzeugt, dass hier ein ganz neuer Zweig der Unterhaltung entsteht, der neben Fernsehen, Internet, Radio und Kino ein Bestandteil unserer Gesellschaft werden wird.

VR Nerds: Noch konnte VR den Massenmarkt allerdings nicht erreichen. Wann wird das geschehen?

Kunze: Das wird dann passieren, wenn Geräte auf den Markt kommen, die bequem sind, keine Kabel besitzen, 6DoF Tracking beherrschen, 4K-Displays besitzen und trotzdem erschwinglich sind. Die aktuell günstigen 3DoF-Systeme halte ich eher für kontraproduktiv für die Branche. Das macht das Erklären von VR und „nicht so ganz richtiges VR“ sehr schwierig. Ich persönlich vermute, dass wir in rund fünf Jahren einen Massenmarkt etabliert haben. Das entspricht dann vermutlich der dritten Generation an VR-Systemen.

VR Nerds: Herzlichen Dank für das Gespräch. Wir drücken euch die Daumen für einen erfolgreichen Start im Full Release.

Konrad the Kitten ist für 15 Euro über Steam erhältlich und unterstützt offiziell die Oculus Rift, HTC Vive sowie Windows Mixed Reality Headsets. Wer Chris und Konrad beim Spielen des plüschigen VR-Titels zuschauen und Eindrücke gewinnen will, sehe sich unser Video an.