Seit der ersten VR-Welle sind Handschuhe für die Reisen in virtuelle Welten ein großes Thema, erinnern wir uns doch gerne an den skurrilen Power Glove für das Nintendo Entertainment System (NES). Aktuell arbeiten beispielsweise Oculus, Exos und Dexmo an virtuellen Handschuhen als natürlichere Eingabemethode. Einen neuen Ansatz stellen jetzt Forscher an der UC San Diego vor und verfrachten künstliche Muskeln in ihren VR-Handschuh, die für ein haptisches und gefühlsechtes Feedback sorgen sollen.

VR-Handschuh mit McKibben-Muskeln

Über die Bedeutung von haptischem Feedback braucht man nicht diskutieren: Ob mit Vibration oder über künstlichen Druck, der über eine Weste aufgebaut wird, gibt es viele Ansätze, um Körperempfindungen zu triggern. Schließlich will man die virtuelle Welt mit allen Sinnen erleben und zwar so echt wie möglich. An Handschuhen für die naturgetreue Interaktion mit Gegenständen in künstlichen Welten arbeiten Forscher schon lange, richtig durchsetzen konnte sich bisher aber kein System.

Forscher an der UC San Diego stellen nun ein Konzept vor, das sich an Muskeln orientiert. Der VR-Handschuh besteht aus Latexkammern mit geflochtenen Fibern, die sie McKibben-Muskeln nennen. Die Muskeln reagieren wie eine Federung, die Druck auf die Finger ausüben kann. Ein Elektronik-Board bläst die künstlichen Muskeln auf oder lässt sie schrumpfen. Für das Tracking der Hand kommt ein einfacher Bewegungssensor zum Einsatz.

In einem Beispielvideo zeigen die Forscher um Professor Michael Tolley, wie man mit der Lösung in der virtuellen Welt Piano spielen kann. Die Demo wäre allerdings etwas überzeugender, wenn die Testperson tatsächlich spielen könnte und nicht nur klimpern würde. Auch lässt sich nicht nachvollziehen, wie lebensecht das Gefühl wirklich ist. 15 Testpersonen, darunter zwei VR-Interface-Experten, zeigten sich laut den Forschern begeistert oder bekundeten zumindest, dass der Handschuh die Immersion deutlich steigere. Tolley sieht einen Nutzen durch VR-Handschuhe nicht nur für Videospiele, sondern auch in der Chirurgie.

Bis es soweit sein könnte, muss man sich allerdings wahrscheinlich noch ein paar Jährchen gedulden – wenn die Forscher es überhaupt schaffen sollten, ein marktfähiges Produkt zu entwickeln. Tolley sieht aber durchaus Chancen. Der VR-Glove sei zwar ein erster Prototyp, aber überraschend effektiv. Das Skelett des Handschuhes stammt aus einem 3D-Drucker, wodurch eine Massenproduktion prinzipiell im Bereich des Möglichen liegen sollte.

(Quelle: UC San Diego)

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