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Die Raidillion de l’Eau Rouge des Spa Fracorchamps-Kurses ist neben Flugplatz, Hunaudières, Mirabeau einer der berühmtesten und aufregendsten Abschnitte einer Rennstrecke überhaupt. Welchen Sonderplatz die, umgangssprachlich nur Eau Rouge, genannte Passage einnimmt zeigt die Tatsache, dass die mittlerweile in Schumacher S umgetaufte Kurve der aktuellen GP-Strecke des Nürburgrings ihr nachempfunden wurde. Die Eau Rouge ist eine anspruchsvolle Recht-Links-Kombination mit einer 18-prozentigen Steigung, Formel-Fahrzeuge erreichen an dieser Stelle bis zu 5G und Michael Schumacher, der in Spa sein Formel 1-Debüt gab, erzielte dort Geschwindigkeit von weit über 300 km/h – sein Fuß war dabei tief in das Bodenblech seines Rennwagens von Jordan gerammt und wurde nicht für den Bruchteil einer Sekunde gelupft.

Da Cockpitplätze für Formel-Fahrzeuge bei weitem rarer sind als ausgelieferte Exemplare des Oculus Rift, werden leider nur die wenigsten die Chance bekommen jemals dieses unvergleichliche Gefühl nachzuempfinden, welches Schumacher hatte als er in Spa sein Debüt gab, muss der normalsterbliche Rennsportfan sich nach Alternativen umschauen. Die Standardlösung für dieses Problem bestand jahrelang aus Gran Turismo, einem Lenkrad und einem Playseat, diese Gleichung könnte in Zukunft entscheidende Änderungen erfahren. Die Hardware wird künftig wohl um ein Project Morpheus oder ein Oculus Rift erweitert und die Standardsoftware für Racing-Enthusiasten könnte bald Project Cars heißen. Der kommende Hit von Slightly Mad Studios beschäftig uns schon seit einiger Zeit, optisch immer herausragend zeigte ein erster Gameplaytrailer jedoch mögliche Schwächen auf, das Fahrverhalten wirkte recht statisch und schlicht zu einfach. Am gestrigen Tag hat digital foundry bei Youtube ein neues Gameplay-Video hochgeladen, welches etwas optimistischer stimmt.

Das schönste Spa aller Zeiten

Das Video zeigt zwei Rennrunden mit Computergegnern auf dem Spa Francorchamps Kurs in einer Rennversion des famosen McLaren Mp4-12CC. Einmal mehr beeindruckt sofort die Grafik von Project Cars. Vor allem der Innenraum, mit seinen scharfen Texturen überzeugt. Die Instrumente des Fahrzeugs sind sogar im Video noch recht gut lesbar, weitere Anzeigen in Form eines HUDs können so vollkommen entfallen – wobei zumindest eine permanent einblendbare Rundenzeitanzeige wünschenswert wäre. Die gesamte Umgebung ist scharf und detailliert, die anderen Fahrzeuge strotzen vor Polygonen und die Lichteffekte der tiefstehenden Sonne sind äußerst stimmungsvoll. Wo Licht ist, ist allerdings auch immer Schatten – oder leider auch nicht. Eine so dermaßen tierstehende Sonne in Spa müsste sehr lange Schatten produzieren, diese fehlen leider bei Project Cars. 

Trotz dessen sah Spa in einem Videospiel nie besser aus. Das Fehlen der Schatten ist wohl dem Leistungshunger des Spiels in Kombination mit einem VR-Headset geschuldet. Um Motion Sickness entgegen zu steuern hat man dem Dk 2 des Oculus Rift, neben einer höheren Auflösung auch eine schnellere Bildrate von 75 Hz spendiert. Damit dieser Vorteil auch ausgenutzt werden kann, muss ein Spiel bei stabilen 75 Bildern von Sekunde laufen, was bei einem grafikhungrigen Titel wie Project Cars auch topaktuelle und schnelle Computersysteme zur Verzweiflung bringt – auch im gezeigten Video war dies der Fall und die Grafiksettings mussten runtergeschraubt werden. Aufgrund seines enormen Grafikhungers hat Project Cars den Beinamen Crisis of VR bekommen. Dieser Leistungshunger ist ein deutliches Indiz dafür, dass die Zukunft aufwendiger VR-Spiele eher der PC als ein Konsolensystem ist, denn auch wenn die Konsolenspiele den Vorteil eine perfekten Anpassung an die Hardware haben, wird dies auf lange Sicht nicht gegen den Leistungsvorteil und die Variabilität eines PCs ankommen.

Neben der Tatsache, dass es sich bei Project Cars um einen Titel für das Project Morpheus und das Oculus Rift handelt, hat der Titel seinem größten Konkurrenten – Gran Turismo – noch etwas voraus, der Sound ist fantastisch.  Wer von Gran Turismo die zwar aufwendig produzierten und aufgenommenen, aber doch sehr dünnen und enttäuschenden Sounds kennt, der wird sich hier besonders freuen, denn die Motoren bei Project Cars klingen so giftig wie man es von diesen hochgezüchteten Triebwerken erwartet. Es kommt zwar nichts dem Erlebnis gleich, neben einem startenden großvolumigen Motor zu stehen, die bewegte Luft zu spüren und das angenehme vibrieren in der Magengrube zu genießen, aber Project Cars auf einer vernünftigen Anlage dürfte das Nächstbeste sein.
Etwas störend hingegen wirkte die Sitzposition, etwas zu weit hinten und sehr “drauf” kommt sie einem vor. Auch wenn dies wie die Suche nach der Nadel im Heuhaufen wirkt, so ist die Sitzposition eines der wichtigsten Merkmale eines gelungene Rennspiels. Dieses Manko sollte aber hoffentlich durch Kalibrierung des Headsets aus der Welt zu schaffen sein.

Fahrtechnisch scheint der Wagen im Vergleich zu einem älteren Gameplaytrailer, etwas lebendiger zu sein, auch wenn Fahrhilfen offensichtlich auch in diesem Video eingeschaltet sind. Was angesichts des fahrerischen Leistung vielleicht auch besser ist, denn wirklich ärgerlich in diesem Video ist nämlich nur das komplette Unverständnis des Fahrer für Scheitelpunkte, Bremspunkte oder auch nur eine grobe Linie.

Das Release ist noch für November angegeben, wir sind gespannt ob der Termin gehalten werden kann und spielen bis dahin weiter Gran Turismo – auch wenn Spa dort nicht ganz so hübsch ist. Vorbestellen könnt ihr das PC, Ps4 und Xbox One Spiel HIER

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