Oculus Armee

Die Tatsache, dass Nerds und das Militär ein eher angespanntes Verhältnis haben, ist sicherlich nicht erst seit Wargames bekannt. In diesem Kultfilm der Achtziger gelingt es der Hauptfigur, gespielt von Ferris Bueller oder seinem minderbekannten Alter Ego Matthew Broderick, sich in Militärcomputer zu hacken, was er für ein Spiel hält ist jedoch die Realität und das US-Militär beginnt eine gnadenlose Hetzjagd auf ihn. Über 30 Jahre nach Wargames dreht sich der Spieß um, nein Ferris jagt jetzt nicht das Militär und nein es ist nicht das US-Militär, in diesem Falle dreht es sich um die norwegische Armee und diese testet ein ehemals geliebtes und nun kontrovers diskutiertes Spielzeug der VR-Community – das Oculus Rift.

Die Armee Norwegens von der man bis dato wenig wusste, beginnt das Oculus Rift in Panzern zu testen. Daniel Mestervik, der  Development Manager im Oculus Team gab zu bedenken, dass Spieler in Spielen wie Battlefield eine bessere Sicht als ein normaler Soldat hätten, da ihnen durch das sogenannte HUD viele Zusatzinformationen zur Verfügung stehen. Dieses Maß an Information kann man nun mit dem Oculus dem Soldaten liefern, so war es den Soldaten der norwegischen Armee möglich mit Hilfe des Oculus-Headsets einen Panzer bei geschlossener Luke zentimetergenau und ohne weitere Hilfe einzuparken.

Major Ola Petter Odden, zuständiger Mitarbeiter des Combat Labs der norwegischen Armee und Leiter des Tests zeigte sich optimistisch was die Entwicklung angeht. Zwar sei die Auflösung des Oculus VR noch zu gering, doch denkt Oden, dass das Oculus VR technisch in 2-3 Jahren weit genug sei für eine militärische Nutzung, anschließende Zertifizierungsverfahren würden 2 weitere Jahre in Anspruch nehmen, so dass Oculus in weniger als 5 Jahren Verwendung beim Militär finden könnte. Die großen finanziellen Möglichkeiten die Oculus seit dem Verkauf an Facebook hat wurden als besonders vielsprechend in Hinblick auf die Weiterentwicklung der Hardware herausgestellt. Im Vergleich zu bestehenden militärischen Headsets und Kameralösungen ist vor allem der Kostenpunkt ein Argument für das Oculus, der Preis für eine vergleichbare militärische Ausstattung liegt bei ca. 135.000€,  der Preis des Oculus Headset bei lediglich 350€, die verwendetet Kameras schlugen mit ca. 2.000 € zu Buche

Die Firma Oculus hat eine bewegte Zeit hinter sich, vom sympathischen Kickstarter-Helden der VR-Community zu Facebookulus. Diejenigen die Oculus unterstützt haben werden diese kommende Zusammenarbeit mit Unbehagen beobachten, wurden die von ihnen geleisteten Spenden mit Sicherheit nicht mit Blick auf eine künftige militärische Nutzung getätigt – die scheinbare Unschuld der Unterstützung von Oculus bekommt perspektivisch eine wenig unschuldige Verwendung. Während es unzählige Beispiele von technischen Errungenschaften gibt, die durch die Zusammenarbeit mit dem Militär entstanden sind, ihren Weg in unseren Alltag fanden und täglich genutzt werden, ist der umgekehrte Weg eher ungewöhnlich. Wirklich unheimlich ist allerdings der Weg des Geldes von der Tasche des VR-Nerds zu Oculus, durch die Facebookwaschmaschine auf den Kopf des norwegischen Panzerfahrers – mal wieder scheint der moralische Kompass von Oculus nicht auf Norden zu stehen.

Was meint ihr zur neuesten Entwicklung um Oculus, ob und wie könnte das Einfluss auf eine künftige Spendenbereitschaft haben?

avatar
  Abonnieren  
Benachrichtige mich bei