Oculus Go

Oculus Dash, Oculus Go, Santa Cruz mit 6DOF-Controllern, neue Spiele und Anwendungen: Die gestrige Keynote der Facebook-Tochter hatten einige Überraschungen zu bieten. Doch was sagen die neusten Ankündigungen über den Kurs von Oculus aus? Steht aktuell die Vergrößerung der Zielgruppe vor neuen technischen Innovationen?

Oculus: Mainstream um jeden Preis

Oculus Go

Mit der Oculus Go hat der VR-Anbieter eine günstige autarke Brille vorgestellt, welche eine ähnliche Erfahrung wie eine Gear VR mit aktuellem Galaxy Smartphone bieten könnte. Zwar setzt Oculus auf LCD-Panels, doch die ehemaligen Probleme mit dieser Technologie scheinen beseitigt zu sein. Lediglich 200 US-Dollar wird Oculus für die Brille verlangen und deshalb ist es kaum verwunderlich, dass sich das Unternehmen bisher über die verbaute Hardware bedeckt hält. Denn diese wird gerade stark genug sein, um derzeitige Gear-VR-Titel darstellen zu können, wobei auch hier noch nicht sicher ist, ob wirklich alle Titel eine Unterstützung erhalten.

Somit bringt Oculus mit der Go-Brille ein System auf den Markt, welches theoretisch schon seit einigen Jahren existiert. Nun jedoch als einzelnes Produkt mit einem verlockenden Preis. Vielleicht also eine gute Netflix-Brille? Generell ist gegen eine Brille für Videos, Facebook und Co. nichts einzuwenden, doch Fortschritt sieht irgendwie anders aus.

Klar ist: Oculus möchte mit diesem Produkt nicht die aktuellen VR-Nerds ansprechen, sondern neue Zielgruppen erschließen. Wobei man sich fragen darf, wie diese genau aussehen sollen. Immerhin steht auch die Konkurrenz bereits in den Startlöchern und HTC plant noch in diesem Jahr eine autarke VR-Brille auf den Markt zu bringen, welche über ein System für Positional Tracking verfügt und somit die Oculus Go ziemlich alt aussehen lassen wird. Selbst wenn die Brille von HTC deutlich teurer werden sollte, könnten viele Menschen lieber auf einen Preisrutsch der autarken Vive warten, als auf das Oculus-Go-System zu setzen, welches dann eigentlich nicht mehr zeitgemäß scheint.

Santa Cruz rückt in weite Ferne

Santa Cruz

Auf der Connect 3 hatte Oculus bereits die Santa Cruz Brille vorgestellt und insgeheim hatte ich gehofft, dass Oculus nun ein Produkt für Konsumenten aus dem damaligen Prototypen gezaubert hat. Immerhin hätte Oculus mit einer solchen Ankündigung den autarken Daydream-Brillen etwas entgegensetzen können. Denn Oculus geht einen Schritt weiter als die Konkurrenz und stattet die Santa-Cruz-Brille mit Controllern aus, die von der Brille getrackt werden können. Hierbei beweist Oculus ebenfalls Innovationsgeist und setzt auf 4 Kameras an der Brille, damit die Controller nicht so schnell aus dem Sichtbereich verschwinden können.

So verlockend die Technologie auch klingt, so uninteressant scheint aktuell die Aussicht für uns Konsumenten. Erst im nächsten Jahr möchte der Hersteller Development Kits an Entwickler ausliefern, und dementsprechend würde ich fast nicht damit rechnen, dass Santa Cruz bereits 2018 unter den Weihnachtsbäumen der VR-Nerds liegen wird. Oculus legt großen Wert auf Content und dieser benötigt Entwicklungszeit. Deshalb scheint es unwahrscheinlich, dass zwischen Auslieferung des Dev-Kits und Auslieferung der Konsumenten-Version nur wenige Monate liegen werden.

Oculus gibt also einen schönen Ausblick, doch das Unternehmen kann nicht so schnell abliefern, wie wir uns es wünschen würden. Bis die Santa-Cruz-Brille tatsächlich auf den Markt kommt, könnten auch bereits HTC und Co. ihre autarken Brillen um trackbare Controller erweitert haben.

Oculus Rift 2?

Samsung Odyssey

Ebenso unklar ist, wie es zukünftig mit der Rift-Linie weitergehen wird. Die Oculus Rift ist zwar erst knapp 1,5 Jahre auf den Markt, doch mit der Samsung Odyssey Brille kommt nun ein Produkt, welches der aktuellen Generation durchaus gefährlich werden könnte. Zwar kostet die Brille zum Start etwas mehr als die Oculus Rift, doch dafür bietet sie auch ein einfacheres Setup, eine höhere Auflösung und vermutlich sogar einen ähnlichen Komfort wie die Rift, da Samsung das Kopfhörer-Konzept übernommen hat. Die Samsung-Brille wird sich damit vermutlich nicht wie eine komplett neue Ära anfühlen, aber immerhin wie ein Upgrade zur derzeitigen Generation.

Doch auch davon scheint Oculus unbeeindruckt, denn ein Upgrade des Rift-Systems wurde nicht in Aussicht gestellt. Der Fokus scheint derzeit darauf zu liegen, eine Brille zu finden, die die Lücke zwischen PC und Mobile schließt. Generell eine begrüßenswerte Entwicklung, doch hoffentlich fällt dabei nicht der High-End-PC-Markt hinten runter.

Auf der anderen Seite fühlt sich die Entwicklung von Oculus ein wenig nach dem Fähnchen im Wind an. Anstatt eine führende Technologie zu forcieren, werden diverse Brillen für ganz spezielle Anwendungszwecke entwickelt. Doch niemand möchte fünf VR-Brillen besitzen. Wir brauchen zukünftig eine VR-Brille, die als autarke und als PC-VR funktioniert. Ein Brille, die die Vorzüge von Mobile-VR und High-End-VR in sich vereinen kann.

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Oimann
Gast
Oimann
Ich denke mal, dass man erst dann eine neue Rift abliefern wird, wenn man hier einen Quantensprung machen kann. Ansonsten deckt man mit der Go, der Cruz und der Rift, 3 unterschiedliche Zielgruppen ab. Wenn es gelingt, die bei der Kernsoftware, sprich Home und Facebook Spaces auf einen Nenner zu bringen, so das zumindest Cruz Nutzer sich auch mit Rift… Weiterlesen »
Affe
Gast
Affe
Sehe ich ähnlich wie mein Vorredner. Facebook/Oculus ist ja nicht dumm, wenn sie jetzt eine Rift 2 ankündigen würden, würden viele auf das neue Modell warten und bei den jetztigen Besitzern einer Rift Unzufriedenheit auslösen, mal abgesehen davon, dass eine nächste Generation noch Entwicklungszeit und technische Innovationen braucht und natürlich ist es auch ein Risiko, da sich der Markt gerade… Weiterlesen »
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