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Hellblade: Senua’s Sacrifice VR im Test – wahnsinnig werden war nie schöner

Viel Spaß!

Third-Person-Spiele haben bei der VR-Community noch immer einen schweren Stand. Dass solche Konzepte in der Virtual Reality durchaus überzeugen können, haben Spiele wie Edge of Nowhere oder Moss bereits eindrucksvoll bewiesen. Entwicklerstudio Ninja Theory geht mit Hellblade: Senua’s Sacrifice VR jedenfalls keine Experimente ein und bleibt der originalen Ansicht der Monitor-Fassung treu. Doch ob uns deshalb nur eine lieblose Portierung erwartet, haben wir für euch getestet.

Hellblade: Senua’s Sacrifice VR im Test

Hellblade: Senua’s Sacrifice VR ist bereits im letzten Jahr für Konsole und PC erschienen. Im Spiel begleitet ihr die Hauptcharakterin Senua auf der Suche nach ihrem Liebsten und stellt euch dabei dem Kampf gegen ihre inneren Dämonen. Die Protagonistin ist nämlich keine makellose Heldin im typischen Sinne, denn sie leidet unter schweren psychischen Problemen.

Wer das Spiel bereits auf Steam besitzt, bekommt das VR-Update heute gratis oben drauf. Wenn ihr das Game bisher noch nicht auf dem Schirm hattet, könnt ihr direkt zur VR-Fassung greifen.

Die Stimmen in meinem Kopf

Im Spiel werdet ihr ständig von ambivalenten Stimmen in eurem Kopf begleitet, die euch quasi permanent ins Ohr flüstern oder schreien. Manche davon befehlen euch aufzugeben, während andere euch dazu ermutigen durchzuhalten. Doch die Stimmen sind mehr als nur ein Hindernis, denn sie führen euch ebenso perfekt durch die Spielwelt. So versuchen diese nicht nur euch zu verwirren und zu demotivieren, sondern warnen euch auch im Kampf. Befindet sich beispielsweise ein Feind im Eifer des Gefechts hinter euch, so warnt euch die Stimme rechtzeitig, damit ihr dem Angriff per Knopfdruck blocken oder ihm ausweichen könnt. Zudem fühlen sich die permanenten Gespräche im Kopf in VR unglaublich immersiv und echt an. Dieses Feature kommt durch die Abschirmung vor der realen Welt durch die VR-Brille noch besser zur Geltung als beim Zocken auf dem Monitor.

Tolle Optik und großartige Kämpfe

Hellblade: Senua’s Sacrifice sieht in der Virtual Reality absolut beeindruckend aus. Entsprechend gehört es wohl zu den schönsten Spielen, die ihr aktuell mit eurer VR-Brille spielen könnt. Damit ihr die Welt auch in voller Pracht genießen könnt, stehen einige spezielle VR-Optionen zu Verfügung. So könnt ihr die Kameraposition ändern, in den Tabletop-Modus wechseln, die dem Spiel eine Moss-ähnliche Perspektive verpasst, oder weitere Komfort-Einstellungen treffen. Das ist auch durchaus sinnvoll, damit die Reise angenehm bleibt, denn immerhin warten sechs bis acht Stunden Spielzeit auf euch.

Prinzipiell könnte ich stundenlang in die Ferne blicken und die Atmosphäre aufsaugen. Allerdings gibt es auch Elemente, die man besser nicht ganz so genau betrachten sollte. Manche der Flammen und Gräser sehen sehr platt aus, allerdings geht dies in der sonst stimmigen und hübschen Welt zum Glück unter.

Die Kämpfe gegen die Dämonen fühlen sich unglaublich gut an und gehören zu den spaßigsten Duellen, die ich bisher in VR bestritten habe. Die Effekte sind beeindruckend, die Stimmen im Kopf schwanken zwischen Todesangst und Euphorie und die VR-Brille erweitert sogar euren Horizont. Dadurch könnt ihr im Kampf wesentlich mehr Übersicht gewinnen. Ein kurzer Blick zur Seite reicht, um zu sehen, ob weitere Feinde im Anmarsch sind.

Doch im Psycho-Adventure von Ninja Theory geht es nicht nur ums Kämpfen. Auch Rätsel müssen gelöst werden. Hierbei nutzt ihr beispielsweise Tore, um zwischen verschiedenen Realitäten zu wandeln und euch so euren Weg durch die eigene Hölle zu bahnen. Eine andere Methode ist eure Fokussierung zu nutzen, um Symbole in der Welt zu entdecken. Auch dies ist mit Headtracking in VR nochmals unterhaltsamer als mit Tastatur und Maus am Monitor ist.

Wenn Zwischensequenzen die Immersion zerstören

Die Entwickler/innen beweisen mit Hellblade, wie ein Spiel sowohl auf dem Monitor wie auch in VR funktionieren kann. Dass die Portierung so gut gelungen ist, liegt aber nicht an den genialen Anpassungen und Überarbeitungen der Verantwortlichen. Vielmehr geht das Konzept des Spiels schlicht in VR auf. So gibt es kein Inventar-System, keine endlosen kleinen Texte und auch die Steuerung mit dem Gamepad wurde beibehalten. Ich begrüße es sehr, dass man nicht versucht hat, die Motion Controller in irgendeiner Form zu integrieren. Dies hätte vermutlich nur zu Problemen geführt, welche der hochwertigen Inszenierung geschadet hätten.

Leider hat diese Unangepasstheit aber auch Nachteile: Hellblade: Senua’s Sacrific VR erfordert zwar nicht zwangsläufig eine 1080 Ti und einen aktuellen Prozessor, aber selbst mit diesem Setup werdet ihr auf höchsten Einstellungen nicht zufriedenstellend spielen können. Glücklicherweise sieht das Game aber auch auf mittleren Einstellungen toll aus und so konnten wir das Spiel auch mit einer 1070er-Grafikkarte genießen. Doch jede tolle Erfahrung hat auch ihre Schattenseiten. In Hellblade sind es definitiv die “Zwischensequenzen”. Diese werden zwar in 3D in einem Fenster dargestellt, aber reißen mich auch komplett aus dem Spiel. Glücklicherweise sind die Szenen selten und häufig sehr kurz.

Fazit

Wenn ihr eine Oculus Rift oder HTC Vive und einen leistungsstarken PC besitzt, dann ist Hellblade: Senua’s Sacrifice VR eines der besten Spiele, das ihr aktuell in der Virtual Reality erleben könnt. Die Zerrissenheit von Senua sowie die beeindruckende Welt machen die Reise zu einer extrem spannenden Erfahrung. Während sich die meisten Portierungen eher wie ein Experiment anfühlen, erweitert der VR-Titel die Erfahrung auf dem Monitor noch zusätzlich. Und wer einmal die VR-Edition gespielt hat, wird nie wieder zur herkömmlichen Version zurück wechseln wollen.

Stark
  • Ca. 8 Stunden großartige Unterhaltung
  • Stimmen im Kopf erweitern die Realität
  • Großartige Optik und spannende Inszenierung
Schwach
  • Performance
  • Zwischensequenzen im Fenster
4.5 / 5